Mittagessen

Bericht Februar 16th, 2010

Frühstücken und Abendessen tue ich immer zu Hause. Morgens esse ich meistens japanisch, d.h. Miso-Suppe, Nattou, etwas Fertig-Fisch und dazu Reis natürlich. Wenn es schnell gehen soll oder ich einfach keine Lust habe all die kleinen Tellerchen vorzubereiten mache ich es wie damals in Deutschland: Eine Banane (in kleine Stücke geschnitten) plus 3 Müsli-Sorten, am Ende Milch drüber, fertig!

Beim Abendessen gebe ich mir etwas mehr Mühe. Da probiere ich auch gerne mal aus. Ich nenne es absichtlich nicht kochen, da ich es nicht kann und da es mehr ein Mischen von verschiedenen Zutaten ist, die zufällig günstig im Supermarkt waren und miteinander harmonieren könnten. Heute habe ich aber nicht experimentiert: Ein klassischer Curry-Gulasch nach japanischer Art.

Mein Mittagessen esse ich allerdings (werktags) in der Kindertagesstätte. Ich bezahle dafür monatlich einen geringen Betrag, aber es lohnt sich zu 100%! Es ist super lecker und oft ziemlich aufwendig. Das Mittagessen ist dort nicht einfach Proviant in der Mitte des Tages um den Magen zu füllen. Es ist auch ein wichtiger Teil des Programms, hinsichtlich der Erziehung der Kinder.

Wenn es etwas besonderes aus einem bestimmten Gebiet Japans gibt, bspw. eine Suppe mit speziellen Zutaten, die man normalerweise nicht so zu sehen bekommt, dann wird vor dem Essen eine Landkarte gezeigt und erklärt woher die Zutat kommt, wie sie entsteht und wie man sie einsetzt. Das Essen schmeckt einfach viel besser, wenn man genau weiß was man gerade isst, meiner Meinung nach.

Das ganze Mittagessen, ist übrigens stets im Buffet-Format. Es gibt jedes mal 2-4 Teller, je nach dem was es an dem Tag gibt. (Nebeninfo: Eine Besonderheit der japanischen Küche ist dass es stets auf mehreren Tellern verteilt serviert wird.)

Die 3-Jährigen lernen gerade sich das Essen selber aufzutun. Die 4-5 Jährigen können das alles schon. Die unter 3-Jährigen essen getrennt in einem anderen Raum. Vor jedem Essen hohlt sich jeder sein Geschirr, sein Besteck und seine Serviette selber ab. Jedes Kind stellt sich beim Essen-Auftun an. Während des Essens darf sich natürlich unterhalten werden und Nachschlag genommen werden, aber die gegebene Zeit sollte eingehalten werden.

Es kommt oft vor, dass die Kinder sich versehentlich zuviel auftun und nicht mehr können. In solchen Fällen, kommt eigentlich täglich bei 1-3 Kindern vor, wird pedagogisch korrekter Beistand geleistet. Da merke ich immer, dass ich in der Hinsicht nicht speziell ausgebildet bin. Die Betreuerinnen und Betreuer sind unglaublich Schlagfertig und bringen es den Kindern unglaublich gut bei. Ich könnte das wie gesagt spontan nicht so gut hinbekommen. Sie versuchen die Kinder mit Worttricks und Argumenten zu überzeugen und in etwa 70% der Fälle isst das Kind sogar komplett auf, ohne dass es dannach gedemütigt ist oder das dem Kind schlecht wird.

Am Ende bringt jeder sein Geschirr an die Theke, wo Teller, Tassen und Besteck geordnet zurückgegeben werden. Überdies, wischt jedes Kind selber einmal mit dem Lappen über seinen Tischplatz und schmeißt anschließend seine Serviette in den Papierkorb. Dannach geht es zum Zähne putzen in das Nebenzimmer.

Meine Aufgabe ist es dann immer mit einem weiteren Betreuer zusammen den Esssaal zu säubern, d.h. Tische wischen, Boden fegen und Boden wischen.

Heute gab es in einer Ingwer-Soße gegarte Fleischstückchen, dazu eine Miso-Suppe mit bestimmt mehr als 10 verschiedenen Zutaten, dazu noch ein Kartoffelsalat, dazu noch Cabbage (eine Art Kohl) und was natürlich nicht fehlen darf ist Reis. Es ist aber nicht immer japanisch. Aufläufe, Pasta, Brot, europäische Suppen etc. werden auch des Öfteren zubereitet.

Es wird im Übrigen auch immer drauf geachtet, dass das Essen ausgewogen ist und dass das Kind beim Auftun auch an die Ausgewogenheit denkt. Bspw. wird den Kindern immer gesagt, dass sie zu jedem Fisch- oder Fleischhappen auch einen Happen vom Salat auftuen sollen. Genug zu Trinken (Tee, Zimmertemperatur) ist dabei natürlich auch nicht außer Acht zu lassen.

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P.S Hat zwar nichts mit dem Eintrag zu tun, aber das Spam-Bombardement hier bei WordPress ist die Hölle. Ich bekomme jeden Tag mindestens 3 Spam-Kommentare. Meist irgendetwas mit insurance oder Asian girls. Insurance erinnert mich an den Brand, den ich vor einigen Einträgen erwähnt hatte. Asian girls-Spams bekomme ich anscheinend, weil dieser Blog nun einmal von meinem Aufentahlt in Japan handelt. Schrecklich. Vielleicht bekomme ich nach diesem Eintrag ja Spams mit Kochrezepten!

Sicherheitskarte

Bericht Februar 9th, 2010

Noch wenige Tage, dann ist genau ein Virtel meiner Zeit als Zivildienstersatzleistender in einer japanischen Kindertagesstätte vorüber.Es macht natürlich immer noch genauso Spaß wie am ersten Tag, ich lerne ständig Neues kennen und es gibt immer etwas zu tun.

Ich hatte vor einigen Einträgen, bzw. in mehreren vorherigen Einträgen erwähnt, dass ich an einer Sicherheitskarte arbeite. Die ist nun zu 100% fertig gestellt. Es gibt 2 Versionen: Eine Grobe und eine Detaillierte. Die Grobe bekommt jede Aufseherin / jeder Aufseher, während die Detaillierte griffbereit im Büro vorzufinden ist.

Die grobe Version beinhaltet Routen zu Parks, Kinderspielplätzen und ähnlichen Orten. Zudem noch eine Karte auf der Krankenhäuser, Kliniken, öffentliche Toiletten, öffentliche Trink- sowie Telefonanlagen, im Krisenfall zugängliche Brunnen, weitere Kindertagesstätten sowie Kindergärten, Tankstellen und Polizeistationen gekennzeichnet sind. Das alles zu makieren und vorher zu recherchieren hat ziemlich Zeit und Aufwand gekostet.

Doch das war wie gesagt nur die grobe Version…

Die detaillierte Karte beinhaltet Photos aller o.g. Vermerke, bis auf die der Brunnen, da diese wirklich nur im Krisenfall zugänglich sind. Das ist natürlich noch nicht alles. Bei allen Krankenhäusern und Kliniken steht bei um was für Kliniken es sich handelt, bzw. was diese behandeln (innere Medizin, Kinderarzt, Augenarzt etc.).

Diese Sicherheitskarten sind wichtig für den Ernstfall. Wenn es Japan richtig bebt, dann muss man auf alles gefasst sein. Bspw. wurden Tankstellen vermerkt, damit man an Gas und Öl zum heizen kommt. Alle Telefonanlagen, falls das Mobilfunknetz überlastet ist, bzw. überhaupt noch funktioniert.

Der Co-Direktor der Kindertagesstätte hat die Karte bei einer Konferenz (auf der ich natürlich nicht dabei war) vor vielen Direktoren und Co-Direktoren weiterer Kindertagesstätten gezeigt und viele waren sehr angetan von dem Endprodukt. Im Juni dieses Jahres werde ich somit eine weitere Sicherheitskarte im ähnlichen Stil für eine andere Kindertagesstätte anfertigen.

Ich freue mich schon darauf, denn die Arbeit hat sehr Spaß gemacht und ich habe vieles dabei gelernt: Vieles in Sachen Krisenmanagement, den Umgang mit der Software und vor allem “den Ernst der Lage”. Forscher sind überzeugt, dass in absehbarer Zeit ein großes Beben das Gebiet Kanto (das Tokyo mit einschließt) erschüttern wird. Wenn es dann soweit ist, wäre es bereits zu spät sich dann um die Sicherheit zu kümmern. Die Sicherheit muss einfach von vornherein gegeben sein, vor allem wenn es um das Leben der Kinder geht. Ich denke die Kindertagesstätte in der ich tätig bin geht sehr vorbildlich mit dem Thema Krisenmanagement um.

Heute war unglaublich angenehmes Wetter. Fast 20 Grad! Es tut so gut den warmen Wind durch meine inzwischen 1,5 cm langen Haare wehen zu lassen. Ich lasse zur Zeit meine Haaren etwas wachsen, nach bestimmt 3 Jahren 3 Millimeter Kurzhaarschnitt.

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Ich wünsche allen einen guten Start in die Woche und bedanke mich noch einmal recht herzlich für’s Lesen!